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Dienstag, 26. Januar 2016

Mein spezifischer Schwung

Hallo liebe Freunde! Reden wir mal Klartext: :) 

Angeregt durch einen Gedankenaustausch mit einem Freund möchte ich ein "Gespräch" eröffnen. Es betrifft das Thema: 
"Mein spezifischer Schwung"

Ich gehe von einer radikalen Theorie aus (wie immer) dass es diesen Schwung mit den meisten herkömmlichen Lernmethoden nicht gibt. Radikal deswegen, weil man es auch anders sagen könnte. zB: „Könnte beim Trainieren etwas gefunden werden, in Richtung optimaler oder spezifischer Schwung, welcher von selbst entsteht?

WAS? wie soll das gehen?  … werden jetzt vielleicht einige aufschreien.
Aus einem einfachen Grunde. Weil ich glaube, dass die Bewegung des Golfschwungs, das Lernen, ein sehr langwieriger Prozess ist. Im Grunde suchen wir alle nach Möglichkeiten, in kürzerer Zeit ein besseres Ergebnis zu bekommen, am Besten mit möglichst wenig Trainingsaufwand. 

Wie ist das möglich? Wenn doch der Bewegungsablauf so kompliziert ist?
Ich denke, erst wenn man sich davon befreit hat, seinen Schwung in eine bestimmte Richtung erziehen zu wollen, wird man sich öffnen und eine Bewegung zulassen können, die der Körper für einen (zur Zeit) zur Verfügung hat.

Am Besten gelingt das, wenn wir versuchen auf der Range keinen vollen Schlag zu trainieren. Warum? Es ist nur wenigen begabten Menschen vorbehalten, an so viele Dinge gleichzeitig denken zu können, was man nicht alles beachten sollte. Es wird sich heraus stellen, dass wir überfordert sind und jedes Training kann sich sehr schnell kontraproduktiv auf die Entwicklung auswirken, die man ja eigentlich schneller vorantreiben möchte. Wir erreichen genau das Gegenteil, der Schwung wird immer verkrampfter, man gewöhnt sich immer mehr sog. Kompensationsbewegungen an, weil wir vergessen haben, wie die Kommunikation zwischen Hirn, Muskeln und Wunsch funktioniert. 

Jetzt kommen wir zum Punkt.
Wenn wir versuchen würden, nicht unseren Schwung zu finden, sondern unsere Übung(en) für den Schwung, würde sich die Aufgabe(n) als lösbar herausstellen. Das motorische Gedächtnis wird trainiert, die einzelnen Aufgaben die man sich stellt werden erledigt, abgespult, gespeichert. Ich will gar nicht wissen, wie sich dieses Training auf die Gesamtbewegung meines Schwungs auswirkt, ich will es auch nicht auf einem Monitor sehen, ich weiss nur, dass sich der Körper durch die Übungen seinen Schwung selber zusammensetzt. Vorausgesetzt ich kann es zulassen.

Wenn ich dann vor dem Ball stehe und abwechselnd zum Ziel und dann wieder zum Ball hinab blicke, werde ich ein Vertrauen aufbauen können, dass mein Körper für diese Situation (die man im übrigen jedesmal neu erlebt) die geeignete Bewegung zur Verfügung hat.

Viele gescheite Menschen können nachweisen, dass sich der Fokus auf bestimmte Körperteile während des Schwungs kontraproduktiv auf die Gesamtbewegung auswirkt. Es ist besser seinen Fokus auf etwas zu lenken, was ausserhalb unseres Körpers ist. zB auf den Schlägerkopf, auf die Bahn die er zieht, von mir aus auf den Ballflug, auf den Schaft oder sogar, etwas schwieriger, auf den Griff (weil da die Hände drauf sind, und an die soll man ja nicht denken. :) Gedankenübung: Wie bewegt sich der Griff während eines Drives und wie bei einem Pitch? Ganz gleich? sicher?

Ich gehe noch weiter: Man kann einem Körperteil nicht befehlen, eine bestimmte Bewegung während des Schwungs zu ändern. Man muss etwas anderes tun, damit der Körper es (von selber oder gezwungenermaßen) tut. Und wenn es doch jemanden gelingt, hat er damit den natürlichen Prozess der Kommunikation zwischen Hand, Herz und Hirn unterbrochen und sogar erschwert. Den Lernfortschritt wird nicht beschleunigt, meist sogar blockiert. Warum dauert es so lange bis die vielen Golfseelen-Menschen den Ball besser treffen? Ihr Hcp nicht unter 28 bekommen obwohl sie regelmäßig auf die Range gehen, sich Tips aus Zeitschriften und YouTube holen, sich sogar Lehrern anvertrauen und fleissig ins Fitness-Studio gehen? 

Als Musiker, der sehr viel Zeit in diese Abläufe investiert hat, kann ich sagen, es gibt große Unterschiede, zwischen Üben und Üben. Und je detailreicher die Übungen auf dem Instrument sind (Range, shortgame, putten), desto schneller kann man das Stück auswendig spielen (Runde mit Freunden) und in weiterer Folge den Schritt auf die Bühne wagen (Turnier). Wie sagte mein lieber Gitarren-Prof. immer: ‚Wenn sie das Stück auswendig spielen können, können sie es anfangen üben‘!!! (Welch weise Worte, die ich erst sehr viel später verstand!)

Auf Golf bezogen: Wenn man Teilbereiche des Schwunges übt (Tonleitern) und nicht immer den ganzen Ballast des Stücks (Schwungs) mit einbezieht, besteht eine direktere Verbindung zum motorischen Gedächtnis. Die Muskeln werden wesentlich gezielter und entspannter trainiert. Durch den Fokus auf nur eine bestimmte Problematik stellt sich beim Üben auch ein meditativer Charakter ein, der die mentalen Fähigkeiten des Spielers verbessert. Wie am Instrument muss man natürlich auch das Stück (den Schwung) üben. Bei Golf ist es etwas einfacher, weil es eine Menge (Detail) Übungen gibt, bei dem das Stück sofort nach etwas klingt. (Der Ball fliegt.) Man muss sich nicht wochenlang mit Notensuchen beschäftigen. In weiterer Folge weniger oft mit Ball suchen .. :-)

Wie oben erwähnt, ist es nicht vernünftig, dem Körper zu „befehlen“, zu beauftragen, von ihm zu verlangen eine bestimmte Bewegung während des Schwungs auszuführen. ZB der oft zu hören und meiner Ansicht nach falsch verwendete Hinweis, rechte Schulter zurück oder unten lassen. Es ist praktisch unmöglich diesen Gedanken umzusetzen, weil das Schulter unten oder hinten lassen eine Folge von einer anderen Bewegung ist, die man ganz leicht ausführen kann.

Nun die Übung dazu: Versuche den Ball nach rechts zu spielen. Setup/Füße zum Ziel, Ball fliegt nach rechts. Wenn du nun beobachtest was der Körper macht, wird er in einer wundersamen Weise eine schon sehr „richtige“ Bewegung ausführen. Spezielle Übungen führen automatisch zur richtigen Bewegung. Der Körper findet automatisch den Schwung, der am besten zu ihm passt. 

Also, nicht denken, üben! Der Schwung muss dich finden!
Neugierig geworden? Freu mich auf anregende Gespräche!


Euer, Prof. Groover





Kommentare:

  1. Ohne akademisch zu werden, deine dir eigenen Vorstellungen und Ausführungen, stellen in deiner Schwungmanie unglaubliche Lösungen für dich dar…bedenke aber, für den Wandergolfer können das Irrwege sein, deshalb Vorsicht mit der Verbreitung.
    Aber die Pharmaindustrie forscht und stellt auch Pillen her die keiner braucht…
    LG,Günter

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  2. Waaaas? - Du hast deinen Schwung gefunden?! Das ist ja ganz großartig!! Wäre mir ein Vergnügen, diesen live erleben zu dürfen! Wann bist mal in der Nähe?! :-)
    Liebe Grüße,
    Sabine aus dem Mitteldeutschen
    ...die weder übt noch denkt! ;-)
    PS: tolles Foto, Andreas, sehr dynamisch!

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  3. Lieber Prof. Andreas, ich kann dir folgen aber etwas Wesentliches fehlt in deiner Trainingsphilosophie: Du (und damit meine ich mich und alle anderen auch) kannst dich beim Schwingen nicht sehen. Darum schleichen sich über die Wochen kleine Fehler ein. Eine leicht verschobene Hüfte, die eigentlich rotieren sollte. Oder ein nicht ganz korrekter Griff. oder eine Fehler beim Adressieren. Oder oder. Wie sollst du das alles selbst analysieren können, auch wenn du es in kleine Portionen verteilst beim Üben.

    Also: Du brauchst einen Außenstehenden (wörtlich gemeint), der was von Golf versteht und viel Erfahrung hat. Idealerweise ist das ein Pro, die werden dazu ausgebildet und haben, wenn sie nicht ganz jung sind, auch die Erfahrung, sich an deine Eigenheiten und Sonderwünsche anzupassen. Ich kann zur "Arbeitsauteilung" am Golfplatz nur empfehlen: Einmal pro Monat zum Pro (5%), dann 20% auf der Driving Range, 20% Chipping und Putting üben, 10% Pitching üben, dann bleiben also 45% am Platz spielen. Und dazu täglich 30 Minuten Dehnungs- und Kräftigungsübungen im Stand und auf der Matte.

    Dann bist du in einigen Jahren garantiert um 10 Handicappunkte besser (für Single-Handicapper nur mehr 2). Zu viel Theorie kann dich auch ganz schön blockieren, man braucht die Einübung von bestimmten Grundroutinien, wie du sagst. Was nicht durch 1.000-fache Übung ins Bauchgefühl übergegangen ist, kann auf der Runde nicht intuitiv umgesetzt werden.

    Also: Pro, Üben, Runde, Üben, Runde, Üben, Pro, usw.

    Beste Grüße, Peter H.

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